Deutsche Bistümer bräuchten gemeinsame Kommunikationstrategie
Es läuft nicht gut für die katholische Kirche in Deutschland. Immer wieder gerät sie in negative Schlagzeilen: Sie sei nicht an der Aufklärung von Missbrauchsfällen interessiert (Fall Pfeiffer), sie verweigere vergewaltigten Frauen Hilfe in ihren Krankenhäusern (Fall Köln), sie habe viel zu viel Geld und entspreche daher nicht den Idealen des neuen Papstes (Fall Limburg). Diese und andere Vorwürfe eint das allgemeine Verständnis, bei der katholischen Kirche in Deutschland handele es sich um eine homogene Organisation mit hierarchischen Strukturen.
Doch das ist falsch. Vielmehr setzt sie sich primär aus 27 selbstständigen (Erz) Bistümern zusammen. Diese Teilkirchen sind Körperschaften des öffentlichen Rechts und werden jeweils von einem (Erz-) Bischof geführt. Die Krux: Fehlleistungen in einem Bistum wirken sich auf alle 27 Teilkirchen aus, werden der katholischen Kirche in Deutschland als Ganzes angekreidet. Denn im Bewusstsein vieler Menschen gibt es (nur) diese eine katholische Kirche.
Abgrenzung vom schwarzen Schaf
In den vergangenen Wochen mussten sich wieder einmal alle 27 Teilkirchen dafür rechtfertigen, dass ein einzelnes Bistum versagte. Das, was Tausende haupt- und ehrenamtliche kirchliche Mitarbeiter tagein, tagaus in Pfarreien oder sozialen Einrichtungen wie Kindergärten, Pflegeheimen oder Hospizen leisten, wurde plötzlich verdrängt vom pauschalen Vorwurf, die Kirche hätte zu viel Geld. In Ermangelung einer übergeordneten Kommunikationsstrategie versuchte daraufhin jedes Bistum, Schaden vorn sich abzuwenden mit zum Teil zweifelhaften Ausprägungen.
So wetteiferten die Teilkirchen mehr oder weniger intensiv um den transparentesten Einblick in ihr Vermögen und das der Bischöflichen Stühle. Der grundsätzlich gute Ansatz wurde dadurch relativiert, dass übergreifende Bewertungskriterien und derer Einhaltung fehlten. Andere Bistümer wollten sich deutlich vom luxuriösen Lebensstil ihres Mitbruders in Limburg distanzieren. Daraus entstand der Eindruck eines Wettlaufs um die schlichteste bischöfliche Badewanne. In wieder anderen Fällen wurden klassische Medienschelten verteilt. Ein Mehrwert dieser Maßnahmen für das erneut stark beschädigte Image der katholischen Kirche in Deutschland ist nicht zu erkennen. Zweifel, Misstrauen, Verständnislosigkeit haben eher noch zugenommen.
Reaktion auf webbasierte Aufklärung
Dabei liegt die Lösung auf der Hand: Die 27 Bischöfe müssten sich auf eine gemeinsame Strategie für die Öffentlichkeitsarbeit sowie auf die dazu notwendigen Strukturen einigen. Diese Kommunikationsstrategie würde mindestens folgende Elemente beinhalten:
1. Sie würde zunächst anerkennen, dass es ein Bürgerrecht auf Transparenz gibt. Wir alle dürfen erwarten, dass man uns sagt, was mit unseren Kirchen- und sonstigen Steuern finanziert wird. Dank der sozialen Medien und der webbasierten Aufklärung erhöht die Öffentlichkeit ohnehin den Druck und setzt Transparenz sukzessive durch.
2. Die Kommunikationsstrategie würde außerdem akzeptieren, dass viele Menschen – auch Journalisten – grundsätzlich offen für nachvollziehbare Argumente sind. Wer sich darauf einlässt und zu einem derartigen Vertrauensvorschuss bereit ist, liefert der Öffentlichkeit geduldig Erklärungen, Begründungen, Argumente. Das kostet Zeit und den Mut zur Vereinfachung. Deshalb wäre die Kommunikationsstrategie sorgfältig erarbeitet und enthielte klare Regelungen für Krisenfälle.
3. Statt reflexartiger Medienschelten würde man sodann selbstbewusst mit einer Stimme sprechen und klare, leicht verständliche Botschaften kommunizieren. Diese würden sich nicht um Badewannen drehen, sondern um die eigentlichen Themen – im aktuellen Fall zum Beispiel Informationen über eigene Strukturen, Geldflüsse, Zwänge. Auch Selbstkritik und der Wille zu Veränderungen würden Bestandteile solcher Botschaften sein.
4. Des Weiteren würde die Kommunikationsstrategie darauf achten, die Sprache der jeweiligen Zielgruppen zu sprechen. Das kompromisslose Beharren auf einem Status sui generis, der als Folge jeden Vergleich mit säkularen (also den Menschen vertrauten) Dingen von vornherein ausschließt, hilft da nicht weiter. Lieber ein leicht hinkender Vergleich, der für Verständnis sorgt, als eine Abhandlung der reinen Lehre, die nur Insider begreifen. Vertrauen kann nur über Verständnis wachsen und Verständnis gelingt nur über Sprache.
Beziehung zur Öffentlichkeit ausbauen
Es liegt in der Hand aller 27 Bischöfe, die Notwendigkeit einer übergeordneten Kommunikationsstrategie anzuerkennen, die transparent, mit guten Argumenten bestückt, selbstkritisch und selbstbewusst, mit einer Stimme sprechend sowie allgemein verständlich wäre. Der Würzburger Bischof Dr. Friedhelm Hofmann zählt hier sicher zu den Vorreitern. Er sagte am 20. September 2013 vor katholischen Unternehmern aus Aschaffenburg: „Es scheint mir notwendiger denn je, an einem überdiözesanen Kommunikationskonzept für die katholische Kirche in Deutschland zu arbeiten. Wir müssen unsere Beziehungen zur Öffentlichkeit massiv ausbauen.“ Die Zeit dafür ist reif.
Dieser Gastbeitrag wurde am 31. Oktober 2013 unter der Überschrift "Bürgerrecht auf Transparenz - Medienexperte wünscht sich eine gemeinsame Kommunikationsstrategie der Bistümer" auf der Meinungsseite der Tageszeitung Main-Post publiziert.

