Am 8. September 2006, genau zwei Wochen vor dem Unfall in Lathen im Emsland mit 23 Toten, hatte ich Gelegenheit zu einer Mitfahrt im Transrapid 08 auf der dortigen Versuchsanlage. Mit vielen anderen Besuchern stieg ich bei schönem Wetter in den Zug ein, der ohne Stromabnehmer oder andere sichtbare Energiequellen auskommt. Mit Tempo 413 km/h in der Spitze jagte das weiße Fahrzeug an diesem Freitag letztmals über die 31,5 Kilometer lange Teststrecke. Da der Betreiber eine Messfahrt integrierte, durften wir Fahrgäste sogar noch etwas länger als sonst üblich auf Höhe Null “mitfliegen”.
Motiviertes Transrapid-Personal und fragende Besucher
Nachdem alle Passagiere ausgestiegen waren, steuerte das Personal den Wagen zurück ins Versuchszentrum. In die Halle also, wo auch der Werkstattwagen geparkt war, der 14 Tage später Auslöser der Tragödie sein würde. Über Lautsprecher rief jemand an diesem 8. September die Mitarbeiter der “Transrapid Versuchsanlage Emsland” (TVE) zu einer Abschlussbesprechung zusammen. Derweil setzten sich die Fahrgäste in die wartenden Reisebusse und verließen Lathen. Wenig später gingen auch die Mitarbeiter der Versuchsanlage ins Wochenende. Zwei Wochen später, am 22. September 2006, sollten sie eine Katastrophe mit 23 Toten hautnah erleben müssen.
Bei meiner damaligen Mitfahrt und einem anschließenden kleinen Rundgang habe ich die Mitarbeiter der Betreiberfirma als äußerst motiviert erlebt. Sie haben die Besucher ihrer Anlage, die vor 20 Jahren fertiggestellt worden war, von den Vorteilen der Transrapid-Technologie überzeugt. “Warum fährt der Zug denn nicht schon längst bei uns in Deutschland”, fragten prompt viele Gäste. “Am Geld liegt es nicht. Davon ist genug vorhanden. Wir wissen nur noch nicht genau, wo”, antwortete ein Zugbegleiter augenzwinkernd.

Foto: © Dr. Dominik A. Faust

Foto: © Dr. Dominik A. Faust

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Fragen, die sich jetzt nach dem Unglück stellen
Nun muss man sich leider fragen, ob der Transrapid-Slogan ”Fliegen auf Höhe Null” auch tatsächlich voll umfänglich umgesetzt wurde. Entsprach also das Sicherheitskonzept denen der Luftfahrt oder zumindest denen vergleichbarer Verkehrsmittel (ICE, TGV etc.)? Vor Abschluss der Ermittlungen kann man nichts ausschließen: Weder technisches Versagen noch menschliches Versagen noch veraltete Sicherheitstechnik, die von (fehlbaren!) Menschen bedient wurde.
Die Ursprünge der Magnetschwebebahn reichen übrigens zurück bis ins Jahr 1934. Damals erhielt Hermann Kemper das Reichspatent auf die Grundlagen einer Magnetschwebebahn. Den ersten Prototyp präsentierte die Firma Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB) – eine der Vorgängerinnen der EADS – 1971 auf einer knapp 700 Meter langen Teststrecke in Ottobrunn. Seit 2003 fährt der Transrapid in Shanghai. In den kommenden Jahren soll eine Strecke vom Münchner Hauptbahnhof zum Flughafen “Franz Josef Strauß” gebaut werden.
Titelbild: © Dr. Dominik A. Faust
Update vom 03.03.2011: Bewährungsstrafen im Transrapid-Prozess
