Das Königlich Bayerische 17. Infanterie-Regiment „Orff“ (17. IR), in welchem mein Großvater Anton Peter Faust 1914 diente und am 30. Oktober 1914 vor Ypern verwundet wurde, war am 1. Oktober 1878 in der Festung Germersheim gegründet worden. Es unterstand der 6. Infanterie-Brigade aus Landau. Diese wiederum unterstand der 3. Infanterie-Division ebenda, und jene dem II. bayerischen Armeekorps in Würzburg.
Zum Inhaber des 17. IR hatte König Ludwig II. am 3. Oktober 1878 General Karl Ritter von Orff auf Frohburg ernannt. Dies war ein bedeutendes Zeichen der Anerkennung für dessen Verdienste im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71. Karl von Orff hatte 1874 das II. Armeekorps in Würzburg übernommen und war dessen Kommandierender General. 1880 wurde er zum General der Infanterie befördert und ging im April 1890 in Pension. Anlässlich seiner Verabschiedung würdigte ihn Prinzregent Luitpold durch die Verleihung des Großkreuzes des Verdienstordens der Bayerischen Krone. Nach Orffs Tod am 31. Januar 1895 in Würzburg wurde entschieden, dass das Regiment bis auf Weiteres den Namen „Orff“ fortzuführen hat.
Das 17. IR war 1878 aus diesen drei Bataillonen gebildet worden:
K.B. 6. Jäger-Bataillon
Das Königlich Bayerische 6. Jäger-Bataillon war am 1. Januar 1851 in München aus der 1., der 5. und aus zwei Dritteln der 7. Kompanie des 2. und 4. Jäger-Bataillons entstanden.K.B. 8. Jäger-Bataillon
Das Königlich Bayerische 8. Jäger-Bataillon war am 21. Dezember 1863 in Sulzbach aus den 5. Kompanien des 1., des 5. und des 6. Jäger-Bataillons entstanden.K.B. 10. Jäger-Bataillon
Das Königlich Bayerische 10. Jäger-Bataillon war am 10. Mai 1868 in Aschaffenburg aus den 6. Schützenkompanien des 4., des 5., des 9. und des 15. Infanterie-Regiments entstanden.
Karl von Orff und die Reichsgründung 1871
Alle drei Bataillone hatten sich militärisch unter anderem im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 bewährt. In dessen Verlauf fand am 1. und 2. September 1870 die berühmte Schlacht von Sedan statt. Nach dieser Stadt sind zahllose Straßen in Deutschland benannt. In dieser Schlacht spielte auch Karl von Orff eine wichtige Rolle. In ihrem Verlauf hatten die Deutschen Frankreichs Kaiser Napoléon III. gefangen genommen. Der Krieg 1870/71 war nach dem Deutsch-Dänischen Krieg 1864 und dem Deutschen Bruderkrieg von 1866 zwischen Preußen und Österreich (vgl. dazu die Dissertation meines Vaters Dr. Wolfgang Faust von 1970: „1866 nach einhundert Jahren – Ergebnisse einer Umfrage über den publizistischen Niederschlag; ein Beitrag zum Geschichtsverständnis der Deutschen„) der letzte deutsche Einigungskrieg.
Die drei Einigungskriege mündeten am 18. Januar 1871 in die Proklamation des Königs von Preußen, Wilhelm I., zum deutschen Kaiser durch Otto von Bismarck im Spiegelsaal des Schlosses von Versailles. Dieses Deutsche Reich gilt als Nachfolgerin des knapp 1000-jährigen Römisch-Deutschen Reichs bzw. Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation, das von der Krönung Ottos des Großen im Jahr 962 bis zur Abdankung von Kaiser Franz II. 1806 bestand.

Nach der Abdankung von Kaiser Wilhelm II. 1918 und dem Ende der sich anschließenden Weimarer Republik haben die Nationalsozialisten ihre 12-jährige (Gewalt-) Herrschaft dann analog als „Drittes Reich“ tituliert – während der Staat formal weiter den Namen Deutsches Reich trug.
Völkerrechtssubjekt „Deutsches Reich“
Deutscher Bundestag
Das Bundesverfassungsgericht hat in ständiger Rechtsprechung festgestellt, dass das Völkerrechtssubjekt „Deutsches Reich“ nicht untergegangen und die Bundesrepublik Deutschland nicht sein Rechtsnachfolger, sondern mit ihm als Völkerrechtssubjekt identisch ist.
(hib 340/2015)
Märsche des K.B. 17. Infanterie-Regiments „Orff“
Der Präsentiermarsch des Königlich Bayerischen 17. Infanterie-Regiments war der um das Jahr 1820 von Wilhelm Legrand komponierte Bayerische Präsentiermarsch, Fahnenmarsch von 1822/23. Er dient bis heute der musikalischen Untermalung des Abschreitens der Front angetretener Truppenteile.
Der Parademarsch des 17. IR war der Königgrätzer Marsch von Gottfried Piefke, der diesen am 3. Juli 1866 abends auf dem Schlachtfeld des bereits erwähnten Bruderkrieges (2. Einigungskrieg) erstmals öffentlich vorspielte. Im Königgrätzer ist übrigens der Hohenfriedberer eingebaut. Auch dieser Marsch wird bis heute von den Musikkorps der Bundeswehr gespielt.
Das Ende des Königlich Bayerischen 17. Infanterie-Regiments „Orff“
Nach 1918 hat zunächst die Reichswehr die Tradition des Königlich Bayerischen 17. Infanterie-Regiments „Orff“ in der 7. Kompanie des 21. Bayerischen Infanterie-Regiments aus Nürnberg fortgeführt. In der Wehrmacht übernahm diese Aufgabe das II. Bataillon des Infanterie-Regiments 104 aus Speyer.
Auf dem städtischen Friedhof in Germersheim wurde ein Denkmal in Form eines Obelisken aus rotem Sandstein errichtet, der auf einem vierstufigen Sockel steht. Es ist den tausenden Soldaten des Königlich Bayerischen 17. Infanterie-Regiments gewidmet, die 1914 an der Westfront starben oder – wie mein Großvater – verwundet wurden. Auf der Bronzetafel steht:
Das 17. Infanterie-Regiment ORFF
und ehemalige Angehörige des Regiments
ihren hier ruhenden Kameraden
Die Fahnen des Königlich Bayerischen 17. Infanterie-Regiments und seiner drei Bataillone hängen bis heute im Bayerischen Armeemuseum in Ingolstadt. Ihr zentrales Motiv besteht aus einem weißen Fahnenblatt mit blauer Ständerung (4fach). Das Monogramm „L“ im Lorbeerkranz in allen vier Eckkartuschen steht für König Ludwig I. (wegen der Bezeichnung „M/1841“). In der Mitte des Fahnenmotivs befindet sich das bayerische Königswappen mit zwei Löwen als Schildhalter in einem Eichenkranz.

Titelbild: © Dr. Dominik A. Faust
Als Quellen dienten mir insbesondere diese Werke:
- Riegel, Johann: Das Königlich Bayerische 17. Infanterie-Regiment “Orff”, München 1927
- Bradley Dermot et Bleckwenn, Hans (Hrsg.): Deutschlands Heere bis 1918, Bd. 10, Bayern – Infanterie, Osnabrück 1984.
- Kraus, Jürgen: Bayerische Fahnen – Die Fahnen und Standarten des bayerischen Heeres vom 16. Jahrhundert bis 1918

