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Sarajevo: Bilder einer zerschundenen Stadt

18.09.1996: Im Anschluss an die Pressekonferenz von Verteidigungsminister Volker Rühe im Hotel Holiday Inn werden wir Journalisten mit einem Bus der Bundeswehr durch Sarajevo gefahren. Neben mir sitzt der geschätzte Kollege und Sicherheitsexperte Karl Feldmeyer von der FAZ.

Der Anblick der zerschossenen und zerstörten Fassaden ist beklemmend. Während des Bosnienkrieges war die Stadt in einen bosnisch-kroatischen und einen serbischen Teil geteilt. Das Zentrum wurde 1.425 Tage lang von den Truppen der bosnisch-serbischen Armee (VRS), Einheiten der verbliebenen jugoslawischen Bundesarmee und Paramilitärs eingekesselt. Die Belagerung begann am 5. April 1992. Mindestens 500.000 Bomben feuerten sie auf die Stadt und ihre Einwohner. Heckenschützen machten in der Sniper Alley gezielt Jagd auf wehrlose Menschen. Das Bergen der Toten dauerte zum Teil Tage, weil die Mörder auch auf Hilfskräfte schossen – wie man beinahe täglich in den Nachrichten sehen konnte. Insgesamt kamen in Sarajevo etwa 11.000 ums Leben, darunter über 600 Kinder. Mehr als 50.000 Einwohner wurden verletzt. Erst vor einem halben Jahr, am 29. Februar 1996, wurde die Stadt durch das militärische Eingreifen der NATO befreit.

Ich betrete also diese zerschundene Stadt nur wenige Monate nach dem Ende dieser längsten Belagerung des 20. Jahrhunderts.

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Das wegen Zahlung von Schutzgeldern weitgehend verschonte Hotel Holiday Inn in Sarajevo war 1984 anlässlich der Olympischen Winterspiele eröffnet worden. Während des Bosnien-Krieges beherbergte es Reporter aus aller Welt. Rechts daneben ist einer der beiden UNIS-Zwillingstürme zu sehen, die 1986 der bosnische Architekt Ivan Straus erbaut hatte. Beide liegen an der berüchtigten „Sniper Alley“, der Hauptverkehrsstraße Ulica Zmaja od Bosne in Sarajevo. Foto: © Dr. Dominik A. Faust
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Die katholische Dreifaltigkeitskirche (Holy Trinity Church) in Sarajevo.
Foto: © Dr. Dominik A. Faust
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Die Srednja mašinska tehnička škola (Secondary Mechanical Engineering School) in Sarajevo 1996. Foto: © Dr. Dominik A. Faust

Diese Bilder sowie die weiteren Eindrücke meiner Reise durch das ehemalige Jugoslawien und natürlich die gesamte Berichterstattung seit Beginn des Jugoslawienkrieges bewogen mich später, über die Effektivität und Effizienz des Systems kollektiver Sicherheit der Vereinten Nationen zu promovieren. Dabei entwickelte ich auch ein System effektiver Sicherheit als Alternative.


Truppenbesuch beim Stab GECONIFOR (L) in Trogir

Am Nachmittag fliegt der Medientross von Sarajevo mit mehreren Hubschraubern vom Typ CH-53 nach Sipovo und Trogir. Dort besuchten die beiden Verteidigungsminister Rühe und Portillo ihre Truppen. Beim Stab GECONIFOR (L) in Trogir dankt Volker Rühe dem Kommandeur des 3. deutschen IFOR-Kontingents und nationalen Befehlshaber im Einsatzland, General i.G. Friedrich-Wilhelm Riechmann, für den bisherigen Einsatz seiner Soldaten.

Die Bilder zeigen, wie wohlwollend sie die Wertschätzung des Ministers aufnehmen. Kurze Zeit später wird sich Rühe allerdings noch mit dem Vorwurf konfrontiert sehen, Soldaten der Bundeswehr unter den Generalverdacht des Rechtsextremismus zu stellen, was zu einer Vertrauenskrise führen sollte.

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Foto: © Dr. Dominik A. Faust
Truppenbesuch in Trogir
Die Soldaten des Stabs GECONIFOR (L) freuen sich über die Wertschätzung von Verteidigungsminister Volker Rühe und seines Amtskollegen aus Großbritannien, Michael Portillo.
Foto: © Dr. Dominik A. Faust

Von Zadar zurück nach Penzing

19.09.1996: Am Morgen verlegen wir mit dem Verteidigungsminister von Trogir zu den Heeresfliegern in Zadar. Dort trifft sich Volker Rühe mit seinem albanischen Amtskollegen Safet Zhalali. Dieser gibt bekannt, dass er seine Streitkräfte nach dem Vorbild der Bundeswehr umstrukturieren möchte. Die rund 30 in Zadar stationierten albanischen Soldaten tragen bereits deutsche Uniformen – natürlich mit albanischen Hoheitsabzeichen.

Volker Rühe und Safet Zhalali
Verteidigungsminister Volker Rühe trifft in Zadar seinen albanischen Amtskollegen Safet Zhalali, der eine enge Zusammenarbeit seiner Streitkräfte mit der Bundeswehr anstrebt. Foto: © Dr. Dominik A. Faust

Nach vier eindrucksstarken Tagen im ehemaligen Kriegsgebiet von Jugoslawien, darunter zwei Tage im Medientross von Verteidigungsminister Volker Rühe, geht es jetzt wieder alleine zurück mit einer C-160 Transall nach Penzing.

Zwei Flugstunden von Deutschland entfernt wurde ich vier Tage lang mit den Folgen des mehrjährigen Krieges auf dem Balkan konfrontiert: Weggesprengte Dächer, zerstörte Brücken, zerschossene Häuserfronten, ausgebrannte Fahrzeuge und knapp 100.000 Tote. Es bot sich ein Bild der Verwüstung und der Brutalität, das den tiefen Hass zwischen den Volksgruppen dennoch nur erahnen ließ. Das Engagement der internationalen Streitkräfte trägt dazu bei, Infrastrukturen wieder herzustellen und die Einhaltung des Dayton-Abkommens sicherzustellen. Bis die Wunden geheilt sind, wird es jedoch Generationen dauern.

Titelbild: © Dr. Dominik A. Faust

Dominik Faust Transall

Teil 1/4

Mit Luftwaffe und Heeresfliegern ging es von Penzberg nach Zadar, Slpit, Trogir.

Reporter Dominik Faust

Teil 2/4

Deutsche Pioniere bauen Straßenabschnitt zwischen Ustikolina und Jabuka.

Volker Rühe in Sarajevo

Teil 3/4

Verteidigungsminister Volker Rühe (CDU) informiert die Medien & besucht die Truppe.